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Finanzbuchautor Hubert Gimpl (etf-büffel.at) ordnet Auswahlkriterien, Steuerlogik und Marktbesonderheiten in Österreich ein.

Vorab eine persönliche Frage: Wie waren Ihre ersten Schritte an der Börse? Und was hat damals dazu geführt, dass Sie ETFs als langfristige Lösung für sich entdeckt haben?

Hubert Gimpl: Rückblickend habe ich viel Zeit und Kapital auf der Suche nach einer für mich passenden und renditestarken Anlagestrategie aufgewendet. Weder Bausparer noch Crowdinvesting oder aktiv gemanagte Fonds lieferten die erhofften Ergebnisse.

Diese Erfahrungen haben mich dazu veranlasst, mich intensiver mit Finanzbildung zu beschäftigen und eigenständig nach effizienteren Anlageformen zu suchen. Dabei bin ich auf das langfristige Investieren in global diversifizierte Aktien-ETFs gestoßen. Es ist aus meiner Sicht aufgrund der Innovationskraft der Menschheit eine schlüssige Strategie, sein investierbares Kapital an die Ertragskraft der globalen Wirtschaft anzudocken.

Um anderen den aufwendigen Rechercheprozess zu ersparen, habe ich meine Erkenntnisse und Praxiserfahrungen in einem Buch zusammengefasst.
 

Sie haben ein Buch geschrieben, das sich bewusst an österreichische Privatanleger richtet. Welche typische Hürde oder welches Missverständnis begegnet Ihnen in Österreich am häufigsten und warum?

Hubert Gimpl: Dass man heute so unkompliziert in ETFs investieren kann, ist zugleich Segen und Fluch. Viele Anleger setzen sich im Vorfeld zu wenig mit der Materie auseinander und definieren keine klare Anlagestrategie. Das kann dazu führen, dass sie in Börsenphasen mit starken Schwankungen verunsichert reagieren.

Zudem unterscheidet sich die österreichische Steuer- und Brokerlandschaft deutlich von jener in Deutschland. Das hat mich unter anderem dazu veranlasst, ein Buch zu schreiben, das explizit auf die österreichischen Rahmenbedingungen eingeht.
 

Auf welche Kennwerte sollte man als österreichischer Privatanleger bei der ETF-Auswahl achten?

Hubert Gimpl: Neben allgemeinen Kennwerten wie Auflagedatum, Tracking Differenz, Replikationsmethode, Aktienanzahl bzw. -gewichtung und Fondsvolumen sollten Anleger in Österreich gezielt auf folgende Kennwerte achten:

  • Meldestatus in Österreich: Handelt es sich bei einem ETF um einen sogenannten Meldefonds, verfügt er über einen steuerlichen Vertreter in Österreich, der die steuerrelevanten Daten an die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) meldet. Ist das nicht der Fall, gilt der ETF als Nicht-Meldefonds, und die Erträge werden im Rahmen einer meist nachteiligen Pauschalbesteuerung erfasst.
  • Fondsdomizil: Wer in den globalen Aktienmarkt investiert, hat automatisch einen hohen Anteil an US-Unternehmen im Portfolio. Daher spielt das Fondsdomizil eine wichtige Rolle: ETFs mit Sitz in Irland sind steuerlich vorteilhaft, da Irland ein günstigeres Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA hat als andere europäische Länder.
  • Listung und Sparplanfähigkeit beim Broker Ihrer Wahl: Ein ETF-Sparplan ist nicht nur aus Kostensicht effizient, sondern das automatische Investieren hilft auch dabei, gefühlsgetriebene Fehlentscheidungen zu vermeiden und die zuvor zurechtgelegte Anlagestrategie konsequent zu verfolgen.
     

Ausschüttend oder thesaurierend – gerade in Österreich ein großes Thema. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie persönlich, welche Variante langfristig sinnvoller ist?

Hubert Gimpl: Ich bevorzuge in der Ansparphase thesaurierende ETFs: Ausgeschüttete Erträge müsste ich ansonsten ohnehin wieder manuell anlegen, was zu unnötigen Kosten und Zeitverlust führt. Zudem gibt es bei der thesaurierenden Variante in Österreich einen kleinen steuerlichen Bonus.

Letztlich hängt die Wahl von der individuellen Anlagestrategie ab. Anlegern mit Neigung zu impulsiven Entscheidungen könnte eine thesaurierende Variante helfen, Disziplin zu wahren. Bei Bedarf an regelmäßigen Auszahlungen (z.B. Entnahmephase) könnten ausschüttende ETFs passend sein.
 

Auch wünschen sich viele Anleger mehr Orientierung bei der Auswahl von ETFs. Welche Aspekte sollten sie grundsätzlich besser verstehen, bevor sie mit dem Investieren beginnen?

Hubert Gimpl: Die Berücksichtigung einer weltweiten Streuung beim Aufbau eines robusten ETF-Portfolios ist nicht nur für österreichische Anleger essentiell, sondern für alle Investoren weltweit. Die Wichtigkeit erhöht sich nur für Anleger, die aus kleinen Ländern mit verhältnismäßig kleiner Marktkapitalisierung kommen, weil Menschen die Neigung haben, heimische Märkte stark zu übergewichten (Home Bias). Das resultiert darin, dass das Gesamtrisiko des Portfolios in die Höhe getrieben wird. 
Globale Diversifizierung reduziert nicht nur Länderrisiken, sondern auch Branchen- und Einzelwertrisiken. So lässt sich bei möglichst geringem Risiko eine hohe Rendite anstreben.
 

Welche drei Kriterien muss ein ETF aus Ihrer Sicht unbedingt erfüllen, bevor er in ein langfristiges Portfolio aufgenommen wird?

Hubert Gimpl: Ein ETF sollte aus meiner Sicht kosteneffizient, ausreichend groß und möglichst spekulationsarm sein.

Viele Anleger werden in turbulenten Marktphasen nervös. Welche Methoden helfen Ihnen persönlich, „stoisch ruhig“ zu bleiben?

Hubert Gimpl: In turbulenten Marktphasen kommen auch bei mir gelegentlich Emotionen hoch. Dann hilft es mir, thematisch und zeitlich herauszuzoomen und mir folgende Fragen zu stellen:

„Hat sich global etwas Grundlegendes geändert, sodass meine Annahme – Vermögen an die Ertragskraft der Weltwirtschaft anzudocken ist aufgrund der Innovationskraft der Menschheit eine gute Idee – nicht mehr haltbar ist?“

„Gab es in der Börsengeschichte vergleichbare Einbrüche?“

Die Beantwortung dieser Fragen haben mich bisher stets beruhigt und wieder zu rationaler, finanzwissenschaftlicher Denkweise geführt. Mein Mantra ist somit: „When in doubt, zoom out.“

Zusätzlich kann es wertvoll sein, sich Medien abzuwenden und die Einschätzung von Mentoren mit ähnlicher Anlagephilosophie anzuhören. Für mich sind das renommierte Finanzexperten wie Andreas Beck oder Gerd Kommer.
 

Was halten Sie von Konzepten wie dem von der deutschen Bundesregierung vorgeschlagenen Altersvorsorgedepot – und wie sähe Ihr persönliches Wunschmodell für Österreich aus?

Hubert Gimpl: Das vorgeschlagene Altersvorsorgedepot berücksichtigt nicht alle Bevölkerungsgruppen. Ein steuerlich begünstigtes, nachhaltiges Altersvorsorgesystem mit automatischer Teilnahme und Austrittsmöglichkeit wäre aus meiner Sicht wünschenswerter. 

So wären nicht nur finanziell gebildete und vorausschauende Menschen mit größerer Wahrscheinlichkeit im Alter abgesichert, sondern der Großteil der Bevölkerung. Davon sind wir aber meilenweit entfernt, weshalb es umso wichtiger ist, die finanzielle Bildung in Österreich konsequent voranzutreiben.

Fazit: Hubert Gimpl zeigt eindrücklich, dass erfolgreiches Investieren weniger mit Produktauswahl zu tun hat – und viel mehr mit Disziplin, Verständnis und einer klaren Strategie.

Wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte:

  • global diversifizieren,
  • steuerliche Besonderheiten kennen,
  • seine Risikoneigung ehrlich einschätzen
  • und in turbulenten Phasen Ruhe bewahren.

Denn wie Gimpl sagt: „Ein ETF ist nur ein Werkzeug. Die Strategie dahinter entscheidet über den Erfolg.”

Externe Quellen spiegeln nicht die Meinung von flatexDEGIRO wider.
 

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